Das Trail-Highlight im Vinschgau: der Sonnenberg-Trail

Wer sein Mountainbike-Abenteuer im Vinschgau sucht, den verwöhnt die Region Südtirol nicht nur mit einem Reichtum an Sonne, sondern auch mit einer Fülle an Touren- und Trail-Leckerbissen. Allen voran gibt es eine Vielfalt an Singletrails, die von hochalpinen und technisch anspruchsvollen Kursen bis zu flowigen Waalwegen, von schönen Naturtrails bis zu künstlich angelegten Flowtrails reicht und auf denen man in begeisternder Kulisse hemmungslos Glücksgefühle kosten kann. Besonders der lichtüberflutete Sonnenberg, der Teil der Ötztaler Alpen, der sich zwischen Partschins und Mals über 50 km erstreckt und das Vinschger Hochalpental nördlich flankiert, hält großartig gelegene und angelegte Trails bereit. Den Sonnenberg- oder Montesole-Trail hat das Bike-Magazin als den schönsten Trail der Alpen bezeichnet. Grund genug für uns, den Trail, der von St. Martin im Kofel über den Sonnenberg ins Tal nach Latsch fließt, vorzustellen. Natürlich dürfen dabei allerhand nützliche Fahrtechniktipps für sicheres und spielerisches Radfahren auf herausfordernden Pfaden nicht fehlen.

Der Schwierigkeitsgrad

Auf der Singletrailskala erreicht der Sonnenberg-Trail eine „zwei“. Er enthält jedoch auch Passagen, die mit einer „drei“ bewertet werden können. Damit richtet er sich an Biker, die über eine fortgeschrittene Fahrtechnik und eine sehr gute Bike-Beherrschung verfügen und dank beständiger Konzentration und Körperspannung genau wissen, wann wohldosiertes Bremsen oder ein Verlagern des Körperschwerpunktes erforderlich sind. Dennoch sollten sich auch trailerfahrene Mountainbiker Zeit für einen Pre-Trail-Check ihrer Hardware nehmen.

Vorbereitungen für den Hochgenuss: Der Pre-Trail-Check

Beim Check gilt es, auf die waagerechte und somit für eine optimale Druckverteilung sorgende Stellung des Sattels zu achten, diesen gegebenenfalls gerade auszurichten und mittig über die Sattelstütze und damit ins optimale Verhältnis zur Tretkurbel zu schieben. Ob sich der richtig eingestellte Sattel in der optimalen Höhe befindet, testet der Biker, indem er sich – gestützt an eine Wand oder ein Geländer – auf sein freistehendes Rad setzt und ein Bein mit der Ferse auf ein Pedal stellt, das sich im tiefsten Punkt der Kurbelumdrehung befindet. Wenn das Bein in dieser Position durchgestreckt und die Sattelhöhe demnach korrekt eingestellt ist, sollte noch die Justierung des Cockpits erfolgen. Dafür sollten Schalt- und Bremshebel relativ weit – je größer die Hände desto weiter – in Richtung Lenkermitte geschoben werden, damit die Zeigefinger am Ende der Bremshebel aufliegen, man dank optimaler Hebelwirkung weniger Kraft für den Bremsvorgang braucht und den Lenker mit den übrigen Fingern richtig greifen kann.
Nachdem für die perfekte Sitzposition und Cockpiteinstellung gesorgt ist, kann es – ausgestattet mit Ellbogenprotektoren, Schienbein- und Kniekombinationen und Helm – losgehen. Die Bremsen sollten anfänglich jedoch noch nicht übermäßig beansprucht werden.

Auf unterschiedlichen Wegen zum Startpunkt

Wer nach St. Martin im Kofel gelangen will, kann zunächst den Radweg nutzen, der von Latsch in Richtung Meran und nach etwa dreieinhalb Kilometern nach Kastelbell führt. Im Zentrum des Ortes, dessen insgesamt vier Ansitze und Schlösser zum Verweilen verführen könnten, kreuzt man an der Ampel die Hauptstraße und folgt der Fraktionsstraße in Richtung Meran. An Kastanienhainen vorbei führt eine asphaltierte Straße in recht steiler Steigung bergauf nach Köstenplon. Von dort aus geht es auf einem etwas flacheren Straßenstück weiter, vorbei an den Höfen von Trumsberg. Wenn man der Straße und ihren unzähligen Kehren bis nach St. Martin im Kofel gefolgt ist, hat man auf einer Strecke von 11 Kilometern mehr als 1.100 Höhenmeter überwunden und wird mit einem traumhaften Weitblick bis zur Texelgruppe bei Meran und in die Gletscherregion des Martelltals belohnt.
Abfahrtsorientierte Biker können dem anstrengenden Uphill auf Teer jedoch entgehen. Die Seilbahn, die von der Talstation in Latsch zur Bergstation St. Martin fährt (über die Mitnahmebestimmungen von Fahrrädern sollte man sich vorher informieren), bewältigt den Höhenunterschied in 8 Minuten und hilft somit, Körner und Schweiß für den knackigen Singletrail-Downhill zu sparen.

Auf zum Sprung in den Trail

Nachdem man auf dem Vinschger Sonnenberg angekommen ist, heißt es bald, sich vom großen Panoramakino loszureißen und sich mit seinem Hardtail oder Racefully ins eigentliche Erlebnis zu stürzen.

Ein Trailbeginn zum warm werden

Der Montesole-Trail, der neben dem Tschilli-Trail, dem Annenberg-Easy-Trail und dem Latscher Panorama-Trail ins Tal fließt, beginnt, wenn man ein Stück des Weges auf dem kehrengespickten Asphalt zurückfährt und das Erdpech den gut sichtbaren Beschilderungen folgend nach rechts verlässt. Spätestens hier gilt es, den Sattel bei Bedarf abzusenken und – sobald man nicht mehr treten muss – die Grundposition einzunehmen und demnach mit leicht angewinkelten Armen und Beinen auf dem Bike zu sitzen und den Körperschwerpunkt über die Pedalen zu bringen. Auf diese Weise kann die Arm- und Beinstellung schnell an den sich ändernden Untergrund angepasst und jeder Stoß bei ruhig bleibendem Oberkörper abgefedert werden. Der erste Abschnitt ist ein etwas breiterer Weg mit losem Geröll, der nur mäßig steil und noch reichlich unspektakulär dahinplätschert und dabei an Abhängen vorbei- und durch niedrigere Strauch- und Baumbestände hindurchführt.

Der Trail zeigt seine Zähne

Sonnenberg Vinschgau - Südtirol
Der Vinschger Sonnenberg, Tourismusverein Vinschgau

Nach zwei Querungen der Straße zeigt der Sonnenberg-Trail aber, was er an Herausforderungen zu bieten hat. Jetzt heißt es darauf zu achten, dass der Blick weit genug nach vorn gerichtet ist, um die Überwindbarkeit von Hindernissen vor deren Erreichen einschätzen zu können. Durch den staubtrockenen Föhrenwald, den man ab und zu verlässt, um an steilen Wiesen- und Steinhängen Sonne zu tanken, geht es auf manchmal kaum mehr als reifenbreiten Pfaden extrem verblockt, steil und wurzelig zu Tal. Die Bremsfinger ruhen bei diesem Abschnitt am besten zugbereit auf den Hebeln der Vorder- und Hinterradbremse. Sollte – zum Beispiel beim Zirkeln um eine der Kehren im Wald – Bremsen gefordert sein, ist ein gleichmäßiges Anbremsen der Räder gefragt, um ein Blockieren zu vermeiden (für den, der noch ein Plus an Action sucht, sind im Forst auch einige Anleger und Absprungrampen verbaut).


In herrlichem Flow weiter

Hat man nach rund 200 Höhenmetern den Güterweg nach Ratschill erreicht und folgt diesem links hinauf zur ausgeschilderten Einmündung in den nächsten Streckenabschnitt, geht der Trail in eine flüssigere, nur selten noch verblockte Passage über, die mit jeder Menge Spaß aufwartet. Weitere 200 Höhenmeter später verlässt man den lichter werdenden Wald in Richtung Annaberger Böden. In diesem flowigen Teilstück, in dem die schmalen Pfade durch Wiesen und Strauchwerk fließen, nutzt man teilweise die Wanderwege 7 und 5.
Trail Tolerance: Als pedalierender Gast im Vinschgau weiß man nun, dass man „Trail Tolerance“ walten lassen sollte, die Bikern und Wanderern das gleichrangige Benutzen der Wege ermöglicht und die Strecke zwischen 10 und 14 Uhr ausschließlich den Wanderern überlässt.
Durch die Annaberger Böden geht es mit herrlicher Aussicht bis zur Hängebrücke. Nach ihrer Überquerung sollte man links abbiegen. Dann folgt der Trail dem 5er Wanderweg, der an den „Stoanamandln“, den Steinmännchen, vorbei nach Tiss führt. Auf dem Rückweg nach Latsch rollt man wieder gemütlich über den Asphalt.
Nach etwa drei Stunden Tour hat man jede Menge Adrenalin im Blut und den (laut Bike-Magazin) schönsten Trail der Alpen in seinem Fahrtenbuch. Was will man mehr?

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